HP, die Aktienkurse und die anhängigen Verfahren

HP wird im Moment heftig gebeutelt. Ein Teil der Probleme ist den Aktivitäten von Leo Apotheker zu verdanken, der nach einer sehr kurzen Amtszeit am 22. September 2011 als CEO des Unternehmens abgelöst worden ist. Vor allem wegen der Spekulationen mit dem 1,2 Milliarden Dollar schweren Deal zur Übernahme des Herstellers von Smartphones Palm nebst dem Betriebssystem WebOS steht Hewlett Packard derzeit massiv unter Beschuss.

 

Leo Apotheker kündigte einen Wechsel der Produktstrategie an

Im August 2011 hatte HP noch unter der Führung von Leo Apotheker einen kräftigen Wechsel der Produktstrategie angekündigt. Nachdem im November 2010 Jon Rubinstein noch eine Konzentration auf die Entwicklung von Tablets und Smartphones mit WebOS propagiert wurde, ruderte Leo Apotheker im August 2011 zurück. Er äußerte gegenüber der Presse, dass die Tablet PCs gar nicht mehr hergestellt und die Computerstrecke verkauft werden solle.

 

Sammellage wegen Verletzung des amerikanischen Wertpapiergesetzes

Dafür interessierte sich HP plötzlich für Vertica. Im Gespräch war eine Übernahmesumme von mehr als zehn Milliarden Dollar. Das führte binnen einem Tag zu einem Einbruch von mehr als zwanzig Prozent beim Aktienkurs und rief die Aktionäre auf den Plan. Richard Gammel wurde zum Pionier der so Geschädigten und reichte beim kalifornischen Gericht eine Sammellage wegen Verletzung der Bestimmungen des amerikanischen Wertpapiergesetzes ein. Dabei geht es um die Entwicklung der Aktienkurse zwischen November 2010 und August 2011, eine Zeitspanne, die komplett in die Amtszeit von Apotheker fällt.

HP wird vorgeworfen, die Aktienkurse durch gezielt falsche Aussagen manipuliert zu haben. Die Aktionäre sehen sich dadurch in betrügerischer Absicht getäuscht. Als Leitkläger in der Sammelklage hatte sich zuerst die Kowalczyk Trust etabliert, die dadurch fast eine halbe Million Dollar verloren hat. Inzwischen hat sich die Institutional Investor Group zu Wort gemeldet und behauptet, die größten materiellen Schäden davon getragen zu haben. Sie bezifferte die Verluste mit bis zu 27 Millionen Dollar und wurde am 19. Dezember 2011 vom angerufenen Gericht als Hauptkläger bestätigt. Nun hat HP bis zum 11. April 2012 Zeit, um sich zu den vorgebrachten Vorwürfen zu äußern.
 

Der Durchschnittswert bisheriger Sammelklagen liegt bei rund 36 Millionen Dollar

Wie teuer solche Sammelklagen am Ende werden können, beweist ein Blick in die Vergangenheit. Enron beispielsweise wurde mit einer Summe von 7,2 Milliarden Dollar zur Kasse gebeten. Bei WorldCom schlugen 6,2 Milliarden Dollar zu Buche und wenn man einen Durchschnittswert der bisherigen Sammelklagen errechnet, kommt man auf einen Wert von rund 36 Millionen Dollar.

 

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